Abschied vom Meister von Rayas: Emmanuel Reynaud, eine Legende von Châteauneuf-du-Pape, ist von uns gegangen
26. November 2025
Die Weinwelt ist heute Morgen mit einem Gefühl tiefer Leere erwacht. Ein bedeutendes Kapitel in der Weingeschichte des Rhônetals wurde geschlossen. Emmanuel Reynaud, das diskrete Genie hinter dem mythischen Château Rayas, Château de Fonsalette und Château des Tours, hat uns gestern verlassen.
Er war weit mehr als ein Winzer; er war der Hüter eines einzigartigen Stils, einer kompromisslosen Philosophie und eines Terroirs, das er in den Rang eines Kunstwerks zu erheben wusste
Der Mann, der dem Grenache zuflüsterte
Die Geschichte von Emmanuel Reynaud ist die eines gelungenen Übergangs und einer gefestigten Vision. Als Neffe des legendären Jacques Reynaud übernahm er 1997 die Zügel von Château Rayas. Die Aufgabe war titanisch: die Nachfolge eines Mythos anzutreten.
Weit davon entfernt, sich von der Last dieses Erbes erdrücken zu lassen, drückte Emmanuel dem Weingut mit entwaffnender Demut seinen Stempel auf. Als Mann der Erde, der gesellschaftliche Ereignisse und das Rampenlicht mied, zog er den Schatten seiner staubigen Keller und das Licht seiner Reben vor. Er war bekannt für seinen eigenwilligen, manchmal verschlossenen Charakter, aber von absoluter Grosszügigkeit, sobald es darum ging, ein Glas seines Weines zu teilen.
Er verstand es, die DNA der Familie zu bewahren – die Finesse, die Eleganz, die Frische – und brachte gleichzeitig eine technische Präzision ein, die die Weingüter auf unerreichte Höhen katapultierte.
Drei Domaines, Eine Handschrift
Das Vermächtnis von Emmanuel Reynaud erstreckt sich über drei verschiedene geografische Gebiete und zeichnet eine aussergewöhnliche Weinbaukarte im Herzen des Vaucluse.
1. Château Rayas (Châteauneuf-du-Pape) Dies ist das Juwel der Krone. Gelegen auf einem einzigartigen Terroir aus sandigen Böden, nach Norden ausgerichtet und von Wäldern umgeben, die die Temperatur regulieren, ist Rayas eine Anomalie in Châteauneuf.
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Der Stil: Ein 100%iger Grenache von ätherischer Finesse, oft verglichen mit den grössten Pinot Noirs aus dem Burgund. Aromen von zerdrückten Erdbeeren, orientalischen Gewürzen und eine Textur wie Seide.
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Die Legende: Hier bewies Emmanuel, dass Kraft nichts ist ohne Anmut.
2. Château de Fonsalette (Nördlich von Orange / Lagarde-Paréol) Oft als das Vorzimmer von Rayas betrachtet. Obwohl technisch gesehen in der Appellation Côtes-du-Rhône, konkurrieren die Weine dieses Weinguts, das in der Nähe des Uchaux-Massivs liegt, mit den grössten Crus Classés. Besonders der Syrah findet hier einen einzigartigen blumigen und wilden Ausdruck.
3. Château des Tours (Sarrians) Hier, in Sarrians, lebte Emmanuel und hier begann er. Es ist das «Volksweingut» im edlen Sinne des Wortes. Seine Vins de Pays de Vaucluse und seine Vacqueyras sind zu Kultobjekten geworden und beweisen, dass ein grosser Winzer einen grossen Wein machen kann, unabhängig vom administrativen Etikett.
Weltweite Anerkennung (Ohne sie je zu suchen)
Emmanuel Reynaud hat nie Proben an Journalisten verschickt. Er suchte nicht nach Bewertungen. Dennoch rissen die Lobeshymnen nicht ab.
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Die Kritik: Von Robert Parker bis Antonio Galloni verneigten sich schliesslich alle vor der Reinheit seiner Weine und vergaben regelmässig die Höchstnote (100/100) für die Spitzenjahrgänge von Rayas.
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Der Markt: Die Seltenheit (ca. 10.000 Flaschen für Rayas) gepaart mit einer unersättlichen weltweiten Nachfrage trieb die Preise in schwindelerregende Höhen. Eine Flasche Rayas wurde zum Einhorn, zum Gral für jeden Liebhaber.
Aber für Emmanuel blieb die schönste Belohnung das Lächeln eines Freundes, der unter der Laube in Sarrians eine Flasche «Parisy» (sein Tafel-Rosé) mit ihm teilte.
Die Zukunft: Die Nachfolge steht bereit
Die Frage, die heute allen Weinliebhabern auf den Lippen brennt, ist die der Zukunft. Glücklicherweise wurde der Übergang von langer Hand vorbereitet.
Seine Söhne, Louis und Benoît, arbeiten seit vielen Jahren an der Seite ihres Vaters. Sie haben die anspruchsvolle Bodenbearbeitung, die Geduld bei der späten Lese und die Geheimnisse des Ausbaus in alten Fudern erlernt.
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Kontinuität: Man darf keine Revolution erwarten, sondern eine Evolution in der Kontinuität. Die Familie Reynaud wusste schon immer, dass der wahre Chef das Terroir ist.
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Das Erbe: Die Jahrgänge, die noch in den Fässern schlummern, werden die letzten direkten Zeugnisse von Emmanuels Hand sein, aber der Geist von Rayas ist nun fest in der nächsten Generation verankert.
Heute erheben wir unser Glas auf das Andenken eines Giganten. Emmanuel Reynaud ist zu den Sternen gegangen, aber seine Seele wird für immer im Sand von Rayas bleiben.
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