Pommard 1er Cru Les Épenots 2019, Lucien Le Moine
Lucien Le Moine: Ein Mönch, ein Keller, eine Obsession
Es gibt in Burgund Häuser mit Jahrhunderten Geschichte. Und dann gibt es Lucien Le Moine — gegründet 1999 von einem Libanesen, der in einem Kloster im Nahen Osten Wein machen lernte. Eine Geschichte, die man sich nicht ausdenken könnte.
Mounir Saouma wuchs in einer Bauernfamilie im Libanon auf. Ende der 1980er Jahre besuchte er ein Trappisten-Kloster im Nahen Osten — und blieb. Nicht für eine Woche. Für eine lange Zeit. Er arbeitete in den Weingärten des Klosters, lernte zu keltern, zu gären, zu riechen, was Wein ist. Es war keine Ausbildung. Es war eine Berufung.
Der Name: Eine doppelte Verneigung
«Lucien Le Moine» ist kein zufälliger Name. Er ist eine sorgfältig gewählte Hommage: Mounir bedeutet auf Arabisch «Licht» — das französische Equivalent ist Lucien. Le Moine bedeutet «der Mönch» — eine Verbeugung vor den Jahren im Kloster, die alles begonnen haben. Der Name bedeutet also buchstäblich: «Der erleuchtete Mönch.» Man könnte kaum treffender sein.
Das Konzept: Haute Couture in Fassform
Nach dem Kloster studierte Mounir Önologie in Montpellier, arbeitete sechs Jahre in Burgund, anderen französischen Regionen und Kalifornien. 1999 gründete er zusammen mit seiner Frau Rotem Brakin — Agronomin aus einer Käsemacher-Familie, Preisträgerin der Französischen Akademie für Landwirtschaft — ein kleines Kellerhaus in Beaune.
Die Philosophie: nie mehr als 100 Fässer pro Jahr. Ausschliesslich Premier Crus und Grand Crus. Jedes Klimat separat, oft nur ein einziges Fass. Mounir beschreibt es selbst als den Traum, «eine Bibliothek der grössten Weinlagen der Côte d’Or aufzubauen — jeden Jahrgang.» Bis zu 75 verschiedene Weine pro Vintage, manche in Mengen von gerade mal 300 Flaschen.
Die Methode: Geduld als Philosophie
Lucien Le Moine ist kein Weingut im klassischen Sinne. Mounir kauft Weine nach der Gärung von ausgewählten Winzern — aber das Herzstück seiner Arbeit liegt im Keller. Er nennt es «Élevage»: die Kunst der Reifung. Lange Lagerung auf der Hefe, kein Abziehen, kein Schönen, keine Filtration. Manchmal ruhen die Weine bis zu 60 Monate in kühlen Kellern, langsam gärend, langsam reifend, natürlich geschützt durch das CO2 der Fermentation.
Seine Kollegen nennen ihn verrückt. Seine Kunden nennen ihn genial.
Les Épenots: Das Juwel von Pommard
Das Klimat Les Épenots liegt im Nordosten von Pommard, direkt an der Grenze zu Beaune, in Sichtweite der Grand Cru Strasse. Der Boden ist reich an Ton und Kalksteinmergel — schwer, komplex, tief. Eine Parzelle, die 2012 sogar einen Antrag auf Aufwertung zum Grand Cru stellte. Das sagt alles.
Les Épenots gibt einen Pommard, der gleichzeitig das Herzstück der Appellation und ihre eleganteste Seite verkörpert. Kraftvoll ja — aber nie grob. Tannisch ja — aber nie trocken. Es ist der Pommard für Menschen, die Pommard eigentlich nicht mögen.
In Mounir Saoumas Händen wird aus einem ohnehin grossen Terroir etwas Singuläres. Ein Wein, den man trinkt und versteht, warum ein Libanese einst in einem Kloster blieb — um genau das zu lernen.

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